Das Caritashaus ist eine Anlaufstelle für wohnungslose Menschen mit einem integrierten Angebot, bestehend aus Tagesaufenthaltsstätte, Ambulanter Fachberatung, Wohnheim mit dezentralem stationärem Wohnen und Betreutes Wohnen. Des Weiteren gibt es als Außenstelle die Übernachtungseinrichtung für Durchwanderer, die Koordinationsstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz, die sich um die Weitervermittlung in den Notunterkünften kümmert, sowie seit 01.07.2024 das Streetworkprojekt in Kooperation mit der Suchthilfe Wetzlar.
Übernachtungseinrichtung
Die Übernachtungseinrichtung bietet bis zu zwölf alleinstehenden wohnungslosen Männern und Frauen eine kurzfristige Unterkunft. Neben einer Schlafgelegenheit umfasst das Angebot Grundversorgung in Form von Duschen, Wasch- und Kochmöglichkeiten, Waschmaschine/ Trockner, Freizeitgestaltung (TV, Radio, Spiele) sowie medizinisch-pflegerische Versorgung via Caritas‑Sozialstation. Selbstbestimmung und Mitverantwortung der Gäste sind zentrale Prinzipien.
Im Jahresbericht 2024 verzeichnete die Einrichtung 2.170 Übernachtungen (2023: 2.246), was einem Mittel von 5,9 Gästen pro Nacht entspricht. Rund 21 % aller Übernachtungen entfielen auf Frauen (Anstieg gegenüber 2023). Insgesamt nutzten 209 Personen das Angebot, davon 84 erstmals. Die 2023 realisierte Personalerweiterung ermöglichte eine niedrigschwelligere Betreuung und trug zur anhaltend hohen Auslastung sowie längeren Verweildauern bei.
Tagesaufenthaltsstätte
Die Tagesaufenthaltsstätte des Caritashauses ist eine Anlaufstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz. 2024 verzeichnete sie insgesamt 9.691 Besuche, davon 8.643 von externen Gästen (inkl. 1.681 Frauen) und 1.048 Besuche durch Bewohner. Der anhaltende Anstieg der Besucherzahlen ist einerseits bedingt durch wachsende Armut und Wohnungsnot sowie längere Verweildauern in Tages- und Behelfseinrichtungen, andererseits durch die Einführung neuer Angebote. Auffällig ist der höhere Anteil weiblicher Besucher.
Bewährt haben sich insbesondere Friseurangebot, ärztliche Sprechstunde sowie regelmäßige Feste und Feiern (u. a. großzügiges Weihnachtsessen, organisiert von Bosch). Die Tagesstätte ermöglicht zudem Teilhabe und Krisenbewältigung durch Basis‑ und Zusatzleistungen: Es stehen u.a. warme und kalte Getränke, Zeitungen, Fernsehen und Internet zur Verfügung. In der voll ausgestatteten Küche können Gäste selbstständig warme Mahlzeiten zubereiten. Für die Körperhygiene gibt es eine Dusche sowie Waschmaschine und Trockner, und in der Kleiderkammer werden kostenlos gespendete Kleidungsstücke ausgegeben. Zusätzlich bieten Internetzugang, Fahrradständer, ein Hundezwinger und eine überdachte "Raucherecke" weitere Annehmlichkeiten.
Ambulante Fachberatung
Die Ambulante Fachberatung verzeichnete 2024 erneut eine sehr hohe, vielfältige und zeitaufwändige Nachfrage. Insgesamt nahmen 295 Personen das Angebot wahr, davon 186 ohne festen Wohnsitz. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg junger Obdachloser: 45 Ratsuchende unter 21 Jahren suchten Hilfe bei Wohnungslosigkeit oder drohendem Wohnraumverlust. Insgesamt wurden 4.469 Beratungsgespräche geführt (1.987 mit Männern, 953 mit Frauen), davon 1.466 telefonisch. Pro Klient*in ergaben sich im Schnitt 15,1 Gespräche. Thematische Schwerpunkte waren Lebensberatung, Gesundheit, Wohnen, Finanzen, Behördenangelegenheiten, praktische Hilfen, Arbeit und Vermittlung an Fachdienste.
Die medizinische Versorgung bleibt problematisch: Obdachlose haben kaum Zugang zu ambulanter Versorgung, Notfallbehandlungen enden oft ohne Anschlussversorgung, was zu wiederholten Klinikaufenthalten und teils irreparablen Gesundheitsschäden führt. Auch bürokratische Hürden bei Pflegebedürftigkeitsprüfungen erschweren notwendige Unterstützungen.
Wohnheim
Das Wohnheim des Caritashauses bietet nach § 67 SGB XII insgesamt 14 stationäre Einzelzimmer in der Braunfelser Straße sowie vier Plätze im dezentralen Haus Noah (ausschließlich für Männer). Ziel ist die Begleitung und Stabilisierung von Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten (z. B. Wohnungslosigkeit, Sucht, psychische Erkrankungen).
Im Berichtszeitraum nutzten 26 Personen das stationäre Angebot, davon fünf im Haus Noah. Es gab sieben Neuaufnahmen und sieben Entlassungen, von denen drei in eine eigene Wohnung ziehen konnten. Häufige Zugangswege waren die Ambulante Fachberatung und die Übernachtungseinrichtung.
Haus Noah ermöglicht den Bewohnern ein selbstständiges Leben im sozialen Umfeld: Eigenverantwortliches Handeln (z. B. Mülltonnen rausstellen, Gehwege kehren), uneingeschränkte Nutzung von Gemeinschaftsräumen (Waschmaschine, Fitness- und Werkraum) und tägliche pädagogische Begleitung. Regelmäßige Versammlungen fördern Partizipation; bei Bedarf organisieren Fachkräfte weiterführende Hilfen.
Tagesstrukturierende Maßnahmen in beiden Einrichtungen umfassen Gartenpflege, Hausmeister- und hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die neben sichtbaren Ergebnissen vor allem Alltagssicherheit, Belastbarkeit und Eigenverantwortung stärken. Besondere Freizeit‑ und Teilhabeangebote (z. B. Schwimmbad, Ausflüge, Kochgruppe, Kreativ‑ und Werkstattraum) erweitern den sozialen Bezugsrahmen und fördern lebenspraktische Fähigkeiten.
Kooperationen mit LWV, Jobcenter Lahn‑Dill, Sozialamt Wetzlar, Kultur‑Ticket Verein und privaten Vermietern unterstützen individuelle Betreuungs‑ und Vermittlungsprozesse - von der beruflichen Perspektive bis zum Zugang zu kulturellen Angeboten und Wohnraum.
Ambulant Betreutes Wohnen
Das Ambulant Betreute Wohnen (§ 67 SGB XII) begleitet Klient*innen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten beim - meist erstmaligen - Einzug in eine eigene Wohnung oder nach dem Auszug aus dem Wohnheim. 2024 wurden insgesamt 18 Personen betreut (14 Männer, 4 Frauen; Alter 18-69 Jahre).
Zum Leistungsangebot zählen die Unterstützung bei der Antragstellung für ALG II, Rundfunkgebührenbefreiung, Schwerbehindertenausweise, Renten- und Grundsicherung, begleitet von Schuldnerberatung und Gläubigerbegleitung. Ebenso umfasst das Angebot Hilfestellung im Kontakt mit dem Jobcenter und bei der Einrichtung eines Bankkontos, Krisenintervention sowie bei Bedarf die Einleitung gesetzlicher Betreuungsverfahren. Auch die Begleitung zu Bewährungs‑ und Gerichtsterminen oder zum Gerichtsvollzieher durch die Sozialarbeiter*innen ist möglich. Ergänzend motivieren und unterstützen sie zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise und stehen bei der Wohnungssuche zur Seite. Die Hilfe basiert auf einem gemeinsam erstellten Hilfeplan; die Wohnverhältnisse bleiben unabhängig vom Betreuungsverhältnis bestehen. Zentrales Ziel ist, durch enge Kooperation mit Wohnungsgebern und vertrauensvolle Klient*innen‑Beziehungen stabile, konfliktfreie Mietverhältnisse zu sichern und langfristige Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Koordinationsstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz
Die Koordinationsstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz wurde am 1. Juli 2023 in Kooperation mit der Stadt Wetzlar eingerichtet, um Wohnungslose zu vernetzen, Vermittlungshemmnisse abzubauen und schnellstmöglich Meldeanschriften und adäquate Unterbringungs- oder Zwischenlösungen (Notunterkunft, zwei Pensionen, Wohnungsmarkt) zu erschließen. Ein zentrales Element ist das Konzept "Probewohnen", bei dem die Stadt Mietwohnungen zunächst auf Probe überlässt und nach einer Bewährungszeit an die Betroffenen überträgt.
Im Jahr 2024 konnte die Koordinationsstelle zum ersten Mal zwei Probewohnungen bereitstellen und deren Konzept erfolgreich erproben. Insgesamt fanden 21 Menschen über die Koordinationsstelle in einen festen Wohnsitz: Eine Frau zog in eine städtische Notwohnung, sechs Männer fanden dauerhaften Platz in Pensionen, zehn Männer und zwei Frauen bezogen eigene Wohnungen, und zwei Männer wurden dauerhaft über das Probewohnen vermittelt. Damit leistet die Stelle einen entscheidenden Beitrag, um Menschen ohne Wohnsitz Meldeanschrift, Zugang zu Arbeit, Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen zu ermöglichen und langfristig echte Mietverhältnisse zu etablieren.
Projekt Streetwork
Das Projekt Streetwork in Wetzlar startete zum 01.07.2024 in Kooperation von Caritasverband Wetzlar / Lahn‑Dill‑Eder e. V. und Suchthilfe Wetzlar e. V. Es richtet sich an Menschen der Sucht‑ und Obdachlosenszene, die reguläre Beratungsangebote nicht nutzen können. Seit dem August 2024 ist werktags ein Zweierteam jeweils drei Stunden aufsuchend in Wetzlar aktiv.
Im ersten Halbjahr 2024 wurden insgesamt 1.278 Personen gesichtet, von denen 739 kontaktiert wurden (darunter 571 Männer und 168 Frauen). In den aufgebauten Gesprächen standen vor allem der Suchtmittelkonsum (173 Nennungen) sowie die prekäre Wohnungssituation (154) im Vordergrund. Weitere häufige Themen waren die finanzielle Lage (101 Nennungen), gesundheitliche Probleme (89) und das soziale Umfeld (82).Der Fokus lag auf Kontaktaufbau und Beziehungsarbeit, um passgenaue Hilfen anzubieten und Zugangsbarrieren zu regulären Hilfesystemen abzubauen.











