Vor 30 Jahren ein leeres Haus. Heute eine feste Größe und verlässlicher Anlaufpunkt für wohnungslose Menschen, die sonst schnell durch soziale Raster fallen: Mit einem nachbarschaftlichen Fest feierte das Caritashaus in der Braunfelser Straße in Wetzlar am 09. September 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Das Team, ehemalige Mitarbeitenden, Kooperationspartner, Klientinnen und Klienten sowie Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Quartier kamen zusammen, um mit musikalischer Begleitung durch "Nix Druff", der Projektband der Caritas-Wohnungslosenhilfe in Limburg, etwas zu feiern, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: ein Haus. Doch das Caritashaus in Wetzlar ist für viele Hilfesuchende mittlerweile weit mehr als eine Adresse - es ist der Ort, an dem sie nach langer Zeit ohne festen Boden wieder Halt und Unterstützung gefunden haben.
Von bescheidenen Anfängen zum professionellen Hilfesystem
Am Anfang stand eine gemeinsame Idee der Stadt Wetzlar und des Caritasverbandes Wetzlar / Lahn-Dill-Eder e.V.: Einen zentralen Anlaufpunkt schaffen, um Wohnungslose in Wetzlar mit konkreten Hilfs- und weiterführenden Beratungsmöglichkeiten zu unterstützen. Das dafür vorgesehene Gebäude in der Braunfelser Straße 1 erwarb der Verband vom Bund. Die erste Ausstattung: ein einziger, damals hochmoderner Computer mit Modem, dazu zwei engagierte Mitarbeitende. Erst mussten Räume eingerichtet, Verwaltungsabläufe und Formulare komplett neu aufgebaut werden - zugeschnitten auf die Bedürfnisse der künftigen Klientinnen und Klienten. Am 14. November 1996 wurde das Caritashaus offiziell eröffnet, mit Wohnheim, ambulanter Fachberatung und Tagesaufenthaltsstätte als erster Basis. Schon im Dezember zogen die ersten vier Bewohner ein.
Ein Haus, viele Türen: Wie aus einer Idee ein umfassenden Hilfesystem wurde
Wie bemerkenswert die Entwicklung des Caritashauses ist, zeigt sich im Vergleich zu den Anfängen: Aus einem leerstehenden Haus ist heute eine Einrichtung mit rund 22 Mitarbeitenden geworden. Unter einem Dach vereint sie heute ein breites Hilfeangebot: Tagesaufenthaltsstätte, ambulante Fachberatung, Betreutes Wohnen mit zwölf Plätzen, Übernachtungseinrichtung und stationäres Wohnheim. Im dezentralen Haus Noah im Philosophenweg stehen zudem die Wohnheimplätze zur Verfügung, die durch die Umwandlung von Doppel- in Einzelzimmer im Caritashaus entfallen sind.
Foto vlnr: Bärbel Keiner (Stadträtin Wetzlar), Hendrik Clöer (Vorstand Caritasverband an der Lahn e.V.), Max Prümm (Vorstand Caritasverband an der Lahn e.V.), Eva Schleifer, kommissarische Leiterin der Abteilung Soziales und Integration des Lahn-Dill-Kreises, Kristina Borgardt (stv. Einrichtungsleitung Caritashaus), Julia Kusminder (Einrichtungsleitung Caritashaus), Dr. Rebecca Neuburger-Hees (Jugend- und Sozialdezernentin des Lahn-Dill-Kreises) Caritasverband an der Lahn e.V.
In den vergangenen Jahren kamen weitere Bausteine hinzu: Mit Streetwork sucht das Caritashaus in Kooperation mit der Suchthilfe Menschen ohne Wohnraum direkt auf, etwa am Wetzlarer Bahnhof. Seit 2023 koordiniert die Einrichtung im Auftrag der Stadt Wetzlar zudem die Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen ohne festen Wohnsitz. Zu Beginn des Jahres kam die Förderzusage für das Housing-First-Projekt hinzu - ein Ansatz, bei dem Betroffene ohne Vorbedingungen sofort eine eigene, dauerhafte Wohnung erhalten und sozialarbeiterisch begleitet werden.
Allein 2025 verzeichnete das Caritashaus über 10.000 Besuche in der Tagesstätte, rund 360 Menschen in der Beratung und knapp 2.500 Notübernachtungen. "Als Team sind wir sehr glücklich, dass unsere Angebote so viele Menschen erreichen", erklärte Einrichtungsleiterin Julia Kusminder in ihrer Ansprache.
Vorstand Hendrik Clöer hob das Herzblut und das Engagement der Mitarbeitenden hervor, das diese Entwicklung erst möglich gemacht habe: "Was hier über 30 Jahre hinweg entstanden ist, verdanken wir den Menschen, die tagtäglich dafür sorgen, dass aus einem Haus ein Zuhause wird. Vom ersten Zweierteam bis zu den heute 22 Mitarbeitenden - dieser Einsatz verdient unseren größten Respekt und Dank."