Alles begann mit dem "Wirtschaftswunder": Als in den 1960er Jahren viele angeworbene ausländische Familien nach Wetzlar kamen, fanden sie zwar Arbeit - aber keine ganztägigen Betreuungsangebote, die ihren Kindern einen guten Start in der neuen Heimat ermöglichten. Doch diese waren dringend notwendig, denn die gewohnten Betreuungsstrukturen wie Großeltern oder Familie waren in der Heimat zurückgeblieben.
Das ließ die damalige Caritasverbands-Geschäftsführerin Frau Konrad nicht ruhen. Gemeinsam mit den sogenannten Ausländer-Sozialdiensten und ausländischen Missionen gründete der Diözesan-Caritasverband Limburg 1966 die spanische Kindertagesstätte "Guarderia Español" in der Wetzlarer Pfaffengasse 2: ein kleiner Anfang mit einer großen Wirkung.
Feier im Dom zum 60-jährigen Jubiläum der Kita Ernst-Leitz-Straße mit den Kita-KindernCaritasverband Wetzlar / Lahn-Dill-Eder e.V.
Kontinuierliche Erweiterung der Angebote
Ab Anfang der 1970er Jahre stieg der Betreuungsbedarf stetig an und so öffnete die Kita ihre Türen für Kinder aller Nationalitäten. Die Kita hieß nun "Internationale Kindertagesstätte" und bot für die damalige Zeit außerordentlich umfassende Betreuungsmöglichkeiten: Krabbelgruppe, Kindergarten und Schulkinderbetreuung unter einem Dach, so stark gefragt, dass zwei weitere Hortgruppen in der Brettschneiderstraße kurz darauf dazukamen.
Als das alte Haus in der Pfaffengasse schließlich an seine Grenzen stieß, war klar: Ein neues Zuhause musste her. Nach sorgfältiger Planung und dank der gemeinsamen Finanzierung durch Land, Kommune und Bistum konnte 1984 in der Ernst-Leitz-Straße 59 der kindgerechte Umbau zur Kita gestartet werden. Zusätzlich erhielt das Gebäude eine naturnahe Außenanlage und einen Anbau mit 2 Gruppenräumen und einen Mehrzweckraum: Aus der ehemaligen "Guarderia Español" war die "Caritas-Kindertagesstätte und Hort" geworden, in die Kinder und Betreuerinnen im Sommer 1985 einzogen.
Mit dem neuen Jahrtausend veränderte sich auch die Pädagogik, die ein neues Raumkonzept, offenere Strukturen, mehr Bewegungsfreiheit für die Kinder brachte. Gebaut, gespielt und geknetet wurde in Räumen mit klaren Schwerpunkten; gemeinsam gegessen wurde im eigenen Bistro.
2003 wurde die Kita auch offiziell zur Einrichtung des Caritasverbandes Wetzlar - ein Schritt, der die langjährige enge Zusammenarbeit besiegelte. (Die Trägerschaft hatte der Wetzlarer Verband schon 1995 übernommen.)
Neue Außenstelle im Westend
Im Wetzlarer Westend entstand unterdessen ein neues Viertel: Wo einst die Sixt-von-Armin-Kaserne stand, wurden junge Familien aus aller Welt heimisch. Dadurch stieg erneut die Nachfrage nach Betreuungsplätzen, so dass 2007 deshalb eine Außengruppe direkt neben dem neuen Nachbarschaftszentrum im Westend eröffnete. 2012 folgte ein Anbau für eine Krippengruppe. Die "Caritas Kindertagesstätte Westend" war eigenständig geworden und betreute nun 14 Krippenkinder und 21 Kindergartenkinder.
In der Ernst-Leitz-Straße begleitete das Team über Jahrzehnte auch Schulkinder - doch als die Schulen eigene Betreuungsangebote aufbauten, war es an der Zeit, sich nach mehr als 40 Jahren von diesem Teil der Arbeit zu verabschieden. Jeden Tag von 6:30 bis 16:30 Uhr begegnen sich in der ELS-Kita Kinder aus 21 Nationen, die 26 verschiedene Sprachen mitbringen - bunt, neugierig und herzlich willkommen. Seit September 2020 liegt der Schwerpunkt auf der Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen; die Krippenkinder sind in die Westend-Kita gewechselt, die sich ganz ihrer Altersgruppe widmet.
Sprache war für das Team der Einrichtung schon immer mehr als Kommunikation - sie war Brücke und Schlüssel. Deshalb engagieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich im Bundesprogramm "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" - in einer Einrichtung, die seit fast 60 Jahren täglich beweist, wie gut das gelingen kann.
"Was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kita täglich leisten, verdient höchsten Respekt und aufrichtigen Dank. Denn mit großem Engagement schaffen sie tagtäglich einen sicheren Ort, an dem Kinder von Beginn an gemeinsam wachsen und lernen können - über Sprachgrenzen und Kulturen hinweg. Die Möglichkeiten, die sich Kindern in der Kita eröffnen, sind weit mehr als reine Betreuung: Sie geben Kindern die Chance, erste Erfahrungen außerhalb der Familie zu sammeln, miteinander zu spielen, Sprache auf natürlichem Wege zu erlernen und neue soziale Bindungen zu knüpfen. Die Investition in gute Kindertagesbetreuung ist eine Investition in die Zukunft - für jedes einzelne Kind, für unsere Gesellschaft und für ein funktionierendes Miteinander von Anfang an," betont Hendrik Clöer, Vorstand des Caritasverbandes Wetzlar / Lahn-Dill-Eder e.V.
Astrid Härtel, Leiterin der Kita Ernst-Leitz-Straße hebt hervor:"60 Jahre ELS-Kita bedeuten 60 Jahre gelebte Vielfalt. Was 1966 als kleine spanische Kindergartengruppe begann, ist heute ein Ort, an dem Kinder aus 21 Nationen gemeinsam aufwachsen, spielen und die Welt entdecken. Darauf ist unser Team sehr stolz - und gleichzeitig wissen wir: Diese Arbeit ist so wichtig wie nie zuvor."
Anlässlich des 60-jährigen Geburtstags feiert die Kita gemeinsam mit Kindern und Eltern eine Woche lang jeden Tag Geburtstag: Mit einem spannenden Puppentheater, einem bunten Gottesdienst im Dom, einer sportlichen Olympiade, einem Kunst- und Experimentiertag und zum Schluss mit einer ausgelassenen Geburtstagsfeier im Rahmen eines Sommerfests auf dem Kita-Gelände.